Dienstag, 20. Juni 2017

Phil & Phob. Islamexperten unterwegs


Jeder kennt sie, die Mitreisenden, deren lautstark geführtem Gespräch niemand im Abteil entrinnen kann. Diese zwei, ich nenne sie Phil & Phob, reisten, wie es aussah, ohne Gepäck. Sie tranken Kaffee aus Pappbechern und scherten sich nicht um die verkniffenen Gesichter in ihrer Umgebung. Niemand holte den Schaffner. Nur eine Mutter musterte sie erschrocken und zog ihr Kind mit sich fort. Es herrschte Meinungsfreiheit.

Samstag, 17. Juni 2017

Ach Helmut –


leicht fällt es mir zuzugeben, dass ich dich noch niemals geduzt habe, auch nicht gedenke, es ein weiteres Mal zu tun. Aber nun, da du tot bist und es mit aller Siezerei ein Ende hat, soll es einmal so sein. Nein, du hast mir nicht imponiert, damals, als du dein Amt als Kanzler der Bundesrepublik Deutschland das erste Mal antratest, deine ›geistig-moralische Wende‹ schielte allzu sehr auf die geistig und moralisch zu kurz Gekommenen, und deine Sprache… Ich würde gern über deine Sprache sprechen, doch etwas hindert mich daran, es zu tun. Was könnte das sein? Ja, sie war mir peinlich, nicht mir allein, sie war damals vielen peinlich, die etwas von öffentlicher Sprache, überhaupt von Sprache verstanden. Kein deutscher Kanzler hat vor dir so gestammelt, sich so im Metapherngewirr verheddert, so schräg formuliert – heute, vor dem Hintergrund dessen, was sich in deiner Nachfolge eingerichtet hat, liest sich das meiste davon ganz passabel, vor allem vernünftig, es hat, historisch gesehen, an Vernunft gewonnen, was es an Plattheit … nein, nicht eingebüßt hat, da sei der Sprachgeist Goethes, Heines und Helmut Schmidts vor. Was dann?

Dienstag, 13. Juni 2017

Deutschland En Marche!


Das Bismarck-Wort vom mangelnden zivilen Mut der Deutschen macht wieder die Runde. Dabei wird es durch den bloßen Augenschein widerlegt. Zu keiner Zeit haben Leserbriefschreiber in Nachkriegsdeutschland – im Netz vornehm ›Kommentatoren‹ genannt – die Artikelschreiber der Mainstream-Medien so couragiert und energisch auf ihre journalistische Sorgfaltspflicht und die eklatanten Mängel ihrer Weltbeschreibung – von anderen Defiziten abgesehen – hingewiesen wie heute. Zu keiner Zeit allerdings sind ihre Auslassungen so vehement an der vornehmen Gleichgültigkeit der schreibenden Zunft abgeprallt wie heute – was sich leicht durch deren heroischen Kampf gegen das Gespenst namens ›Populismus‹ erklärt, dessen Hauptsünde darin besteht, dass er dem Volk aufs Maul schaut und ihm, wann immer es passt, nach dem Maul redet.

Freitag, 2. Juni 2017

German Hetze


Ich bin es leid, mit Trump-Kritikern über Trump zu diskutieren. Warum? Weil sie nicht über Politik reden wollen, sondern über Trump.
Ich sehe keinen Grund, weshalb ich über Trump diskutieren sollte. Ich kenne den Mann nicht, bin ihm nie begegnet. Ich habe keinen Grund, auf ihn sauer zu sein. Er hat mir keinen Gebrauchtwagen verkauft, er hat mir keine Frau ausgespannt, er hat mich nicht betrogen, ich habe seine Universität nicht besucht – und wenn schon, sie wäre nicht schlechter gewesen als andere auch in God’s own country.