Freitag, 14. Oktober 2016

Sollten Sie unterwegs einen Nobelpreis finden, heben Sie ihn auf

– er könnte noch einmal wertvoll werden. Nein, ich werde keine Vergleiche tätigen (›Literaturnobelpreis für Bob Dylan, das ist ja wie...‹) … keine Vergleiche! Er bekommt ihn und Udo Lindenberg nicht, darin liegt der Skandal. Wer ist Udo Lindenberg? Ah, diese heiß- und kaltgeliebte hundertjährige Nuschelmaschine, an deren grenzdebilen Texten sich die Pickelträger und Staatsratsvorsitzenden eines verflossenen Jahrhunderts labten – did you ever know him? Oh yes, I know him. Udo Lindenberg for president! Ach, er hat keine amerikanische Geburtsurkunde? Sorry, das wusste ich nicht. Muss man das verstehen?
Aber sagen Sie, dieses sogenannte Komitee – is it crazy? No? How does it work? Where does it exist? Who the devil gave them so much money? Kennen Sie ›Animal Farm‹? That’s a pretty good piece of literature, I love it. Ich gebe zu, danach hörte es bei mir auf. Danach kamen all diese sex machines und make-love-not-war-machines und virtual machines und gender machines, so I have forgotten anyway what literature is and how it works. Can you explain it? Can you really explain it? You’re a genius. Don’t you want to be president? Why not? I’m so displeased. Wen ich vorschlage? Bin ich denn gefragt? Darf ich –? Also dann … also ich, ich würde vorschlagen, gleich nach den amerikanischen Wahlen den unterlegenen Kandidaten (die unterlegene Kandidatin) in den Kreis der ›Verdächtigen‹ aufzunehmen und es ihren Wahlkampfmaschinen, i.e. den Medien zu überlassen, ihn (oder sie) zum Sieg zu führen. Spiel, Satz und Sieg. So sieht es aus. Warum ich sie vorschlage? Das will ich Ihnen verraten. Sie reden dieses verrückte Zeug, sie sprechen zu Millionen, sie bewegen die Welt, ihre Zeit mit Zuhören zu verschwenden und anschließend diese Kommentare in den Medien zu lesen, als hinge davon ihre Zukunft ab … das alles ist richtig, aber es trifft nicht den Punkt. Der Punkt ist: Sie machen schreiben. Sie setzen so viele Schreiber der verschiedensten Genres in Brot und Lohn und Rage, dass es obszön wäre, über diesen Punkt hinwegzusehen. Ich will Ihnen ein example geben … fuck the example. Aber ich frage Sie: Was ist ethisch, ökonomisch, politisch hochstehender: Schreiben oder Schreibenmachen? Sie zögern? Sie stottern? Sie schlagen die Augen nieder? Sie stimmen mir nicht zu? Hand aufs Herz: Sie fühlen sich belästigt? Nein. Legen Sie nicht die Hand aufs Herz, das könnte als Geste missverstanden werden. Ich habe auch so begriffen.
Ich bitte darum, dem Papst den nächsten Nobelpreis für Physik zu verleihen. Warum ich das mache? Bitte ersparen Sie mir eine erschöpfende Auskunft. Sie müsste in meiner frühen Kindheit beginnen, sie müsste die Stadien meiner religiösen Reife und ihre politischen Implikationen durchlaufen, sie müsste meine – und Ihre – Physikkenntnisse strapazieren, sie müsste meine überaus entwickelte Hochachtung für die Durchdringer der physischen Welt, für Preiskomitees im Allgemeinen und in diesem besonderen Fall … blablabla, Sie wissen schon. Der wahre Grund ist, er hat zwar nicht das Fliegen erfunden, aber – er fliegt. Das ist so ungeheuer und bezeugt ein so durchdringendes Verständnis der physikalischen Welt und ihrer Gesetze, dass es nur übertroffen wird durch die Interviews, die er dort oben, weit über der irdischen Welt, zu geben pflegt. Ich selbst besitze eines davon und gebe es nicht
mehr her. Da ruht es, gleich neben Bob Dylan, im Ordner ›sonst-noch-was‹ – great.

 

Keine Kommentare: